Schachmatt am Springweg: Die MS 2 entdeckt das Schachspiel
Juli 2026
In der Klasse MS 2 der Ruhrstadtschule am Standort Springweg wird zurzeit konzentriert überlegt, gezogen und manchmal überraschend schnell „Schach!“ gerufen. Die 14 Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse haben gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer, Herrn Kuschmierz, ein Schachprojekt aufgebaut.
Die Schachbretter wurden der Schule von einem Schachverein geschenkt. Dank dieser großzügigen Unterstützung kann inzwischen an elf Brettern gespielt werden. Dafür bedankt sich die Klasse MS 2 ganz herzlich.
Auch Kinder aus anderen Klassen kommen regelmäßig hinzu. Einige kennen die Regeln bereits gut, andere setzen sich zum ersten Mal an ein Schachbrett. Wer einen Spielzug schon verstanden hat, erklärt ihn einem anderen Kind. So lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur gegeneinander, sondern auch miteinander.
Zunächst ging es um die Figuren und ihre Zugmöglichkeiten. Der Turm zieht gerade, der Läufer diagonal und der Springer bewegt sich in einer L-Form. Die Dame darf besonders weit ziehen, während der König immer nur ein Feld gehen kann. Trotzdem ist er die wichtigste Figur auf dem Brett.
Inzwischen beschäftigt sich die Klasse auch mit besonderen Regeln und Spielzügen. Dazu gehören die Rochade, das Schlagen „en passant“ und bekannte Eröffnungen wie das Damengambit. Außerdem probieren die Kinder das Spielen mit einer Schachuhr aus.
Im Internet schaut sich die Klasse ausgewählte Schachpartien an. Gemeinsam überlegen die Schülerinnen und Schüler, warum eine Figur auf ein bestimmtes Feld gezogen wurde und welche Antwort möglich wäre. Dabei gibt es oft unterschiedliche Vorschläge. Gerade das macht Schach spannend: Nicht jede gute Idee ist sofort zu erkennen – und manche Dame ist schneller verschwunden als geplant.
Zu jeder Partie gehört in der MS 2 ein faires Ende. Nach dem letzten Zug geben sich die Spielerinnen und Spieler die Hand und beglückwünschen sich zu einer schönen Partie. Das gilt auch dann, wenn jemand verloren hat.
Herr Kuschmierz über das Projekt:
„Mir ist besonders wichtig, auch Kinder mit Unterstützungsbedarf in den Bereichen emotionale und soziale Entwicklung, Sprache und Lernen für das Schachspiel zu begeistern. Auf dem Schachbrett zählen nicht zuerst Rechtschreibung, Lesetempo oder bisherige schulische Leistungen. Die Kinder können eigene Ideen entwickeln, Entscheidungen treffen und erleben, dass Konzentration, Geduld und Übung zu Erfolgen führen.
Schach fördert außerdem Fähigkeiten, die für das Zusammenleben in der Schule wichtig sind. Die Kinder lernen, vorauszudenken, die Perspektive ihres Gegenübers zu berücksichtigen und mit Fehlern oder Niederlagen umzugehen. Wer erst nachdenkt, eine Reaktion des anderen einbezieht und auch nach einer verlorenen Partie respektvoll bleibt, bringt wichtige Voraussetzungen für Gespräche, Vermittlung und einvernehmliche Lösungen mit.
Schach ersetzt keine pädagogische Konfliktklärung. Es kann Kindern aber helfen, Auseinandersetzungen ruhiger, fairer und lösungsorientierter auszutragen. Besonders schön ist es zu sehen, wie sie einander Spielzüge erklären, gemeinsam nach Lösungen suchen und zunehmend Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen.“
Das sagen die Kinder:
Elias:
„Schach spielt man zu zweit. Das Brett hat acht mal acht Felder und es gibt zwei Farben: Schwarz und Weiß – nicht vier wie bei, Mensch ärgere dich nicht‘.“
Luca:
„Der König kann nur ein Feld gehen. Trotzdem ist er die wichtigste Figur auf dem ganzen Schachbrett.“
Colin:
„Freitags spielen wir in der Klasse Schach. Es gibt Bauern, Läufer, Springer, Türme, einen König und eine Dame.“
Julien:
„Wir haben auch eine Schachuhr. Nach dem Zug muss man den Knopf mit der Hand drücken, mit der man die Figur gezogen hat.“
Mohammad:
„Ich spiele gerne mit Weiß, weil Weiß den ersten Zug machen darf. Eine Partie kann sehr lange dauern, manchmal ist sie aber auch ganz schnell vorbei.“
Marlon:
„Beim Schach hat jede Figur ihre eigene Art, sich zu bewegen. Es gibt auch ein Patt. Dann endet die Partie unentschieden.“
Auf 64 Feldern gibt es für die Kinder der MS 2 noch viel zu entdecken. Die nächsten Partien haben jedenfalls längst begonnen.